Netflixadaption von Unten am Fluss

Unten am Fluss – Review [spoilerfrei]

Vielen, die diesen Beitrag lesen, wird „Unten am Fluss“, beziehungsweise „Watership Down“ noch aus Kindheitstagen ein Begriff sein und Erinnerungen an eine Schreckenversion eines Kinderfilms wecken. Was als putziger Trickfilm über Häschen begann… nein, moment mal. Selbst in den ersten paar Minuten gibt es eine Szene, die jungen Zuschauern das Gruseln lehrte. Jedenfalls hat sich Netflix an einer Neuadaption dieses Klassikers versucht, der übrigens auf einem Roman von Richard Adams aus dem Jahr 1972 zurückgeht. Als absoluter Fan von Unten am Fluss musste ich mir die Miniserie natürlich gleich anschauen.

© Netflix

Die Geschichte rund um Hazel, Fiver und Co. ist fast die gleiche, wie wir auch vom Original kennen, jedoch mit einigen cinematischen Abweichungen, besonders die Brutalität und die Beklemmung des Ursprungsfilm betreffend. Eine Gruppe von Hasen verlässt aufgrund einer unheilverkündenden Vision den heimischen Bau, um eine neue, sichere Heimat zu finden. Da Hasen jedoch nicht unbedingt an der Spitze der Nahrungskette stehen, lauern auf ihrem Web zum Glück sehr viele tödliche Gefahren, von denen der Mensch ausnahmsweise mal die geringste darstellt. Ein größeres Problem stellen eher der fanatische Hasentotenkult und der totalitäre Führer General Woundwort dar. Und da wir schon beim Elend sind lasst euch sagen, hierin liegt der größte Unterschied von der Netflixadaption zum Original. Das Grauen fehlt. Keine Beklemmung, kein Grauen, kein Blut, kein gar nichts.

General Woundwort und seine Owsla
© Netflix

Mir war zwar schon von Anfang an klar, dass es heutzutage „aus der Mode gekommen ist“, wirklich ernsthafte und düstere Trick-, beziehungsweise Animationsfilme zu machen (man erinnere sich nur an Felidae, der noch einen ganzen Zacken grausamer als Watership Down war), dennoch bedauere ich das total! Schon damals, als kleiner Dreikäsehoch war ich fasziniert von diesen Filmen, wenn auch zutiefst schockiert und die nächsten paar Tage vor Entsetzen schlaflos 😀 Das Remake strotzt deshalb dennoch nicht vor Freude und Sonnenschein und Netflix hat trotzdem einen guten Spagat hinbekommen, der dem Film genug Ernsthaftigkeit gibt, um nicht ausschließlich die jüngere Generation anzusprechen.

Ansonsten ist den weiblichen Hasen in der Netflixadaption von Unten am Fluss im Unterschied zum Original mehr Bedeutung zugeteilt. Hazel wurde dagegen etwas von seiner Führungsqualität genommen, was im starken Kontrast zur älteren Version steht. Dort war von Anfang an klar, wer das Zepter in den flauschigen Pfoten hält. In der Neuadaption muss sich Hazel seinen Platz als Oberkaninchen erst verdienen und zweifelt oft an sich. Ein weiterer, recht großer Unterschied findet sich in der Darstellung des Schwarzen Kaninchens. Hier findet sich wieder, was ich weiter oben im Bezug auf das Weglassen beklemmender Elemente bereits erwähnte.

© Netflix

Das größte Manko der Netflixversion von Unten an Fluss und mir zudem unverständlich ist die grafische Umsetzung der Hasenodyssee. Diese empfinde ich persönlich echt nicht als zeitgemäß. Teilweise hatte ich das Gefühl mir Cutscenes aus einem Playstation 2 Spiel anzuschauen. Auch manche Bewegen der Hasen, besonders das Rennen, sehen extrem unrealistisch und einfach nicht korrekt aus. Hier hätte sich Netflix doch etwas mehr ins Zeug legen können um die großartige Geschichte um Freiheit und Zusammenhalt würdig umzusetzen.

© Netflix

Alles in allem kann man sich die Miniserie aber ruhig mal anschauen, besonders wenn man auch das Original von 1972 kennt – ob man es nun liebt oder doch an schlechtere Gefühle erinnert wird. Ich habe die Miniserie ausmerksam verfolgt und habe mich gut unterhalten gefühlt. Das ursprünliche Watership Down ist jedoch atmosphärisch für mich 100 mal ansprechender.

 

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